Bettertainment-Diskussion in München

Bettertainment-Diskussion in München

Die Münchner Medientage auf dem Gelände der Messe München waren Ende Oktober Schauplatz einer hochkarätigen Expertenrunde zum Thema ‚Bettertainment‘. Auf dem Podium diskutierten der ehemalige Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, der Geschäftsführer der Sport1 Media GmbH, Matthias Kirschenhofer, der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg, sowie der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Verbandes für Telekommunikation und Medien (DVTM), Renatus Zilles. Die Gesprächsleitung hatte Achim Hager. Der 49-jährige Vorstandsvorsitzende des Telekommunikationsanbieters HFO Telecom, der zudem im DVTM-Vorstand tätig ist, förderte einige deutliche Botschaften zu Tage. Zum Beispiel die, dass die deutsche Glücksspiel-Gesetzgebung auf ganzer Linie gescheitert ist.

HFO Telecom-Chef entlockt Diskutanten klare und zur politischen Umsetzung überfällige Forderungen

Diese Glücksspiel-Gesetzgebung ist der Rahmen, in dem sich die Bettertainment-Branche und deren Produkte bewegen können. Unter Bettertainment versteht man dabei den Markt rund um Sportwetten, Casino/ Poker sowie die Online-Lotterien. Ein potentieller Milliardenmarkt, der derzeit jedoch nicht erschlossen werden kann. Zumindest, wenn es nach DVTM-Vorstandsvorsitzendem Renatus Zilles geht: „Im Internetzeitalter machen Landes- und Ländergrenzen keinen Sinn mehr. Mit Methoden aus der Steinzeit lässt sich kein moderner, potentieller Milliardenmarkt regulieren“, beschreibt er provozierend Grundprobleme bestehender Gesetze.

Wolf-Dieter Ring schlug in dieselbe Kerbe: „Die Bundesländer müssen endlich eine moderne, umfassende und rechtssichere Zukunftslösung der Glücksspiel-Regulierung auf den Weg bringen. Diese (…) muss den Anforderungen des Internets gerecht werden“, so der frühere BLM-Präsident. Natürlich unter Einbeziehung des Jugend-, Verbraucher- und Datenschutzes, ergänzte Ring.

Sport1 Media-Geschäftsführer Matthias Kirschenhofer sprach sich im Rahmen der Diskussion für eine verfassungs- und europarechtskonforme Regulierung aus, mit der unseriöse Marktteilnehmer sanktioniert und seriöse kanalisiert werden können. „Doch zur Zeit wird ‚Media-Blocking‘ ausschließlich als Wettbewerbs-Instrument eingesetzt“, beklagt Kirschenhofer, der auch Vorstand der Constantin Medien AG ist.

Diskussionsleiter Achim Hager spielte diese drei Steilvorlagen gekonnt dem Vertreter der Politik auf dem Podium, Joachim Sensburg, zu. So konnte er den CDU-Politiker zu der Aussage bewegen, dass die Politik nun in der Pflicht sei: „Zurzeit vergeben wir die Chancen auf zusätzliche Milliarden Einnahmen aus diesem Markt. Diese Mittel fließen aktuell ins Ausland ab.“

Achim Hager sprach die Runde auf ein bereits existierendes DVTM Eckpunkte-Papier zum Thema Bettertainment an. „An diesem“, so sein Verbands-Vorstandskollege Zilles, „könnten sich die deutschen Länder-Ministerpräsidenten beim Aushandeln des 3. Glückspiel-Staatsvertrages gut orienteiern“. Zilles gab sich hinsichtlich einer Lösung optimistisch, mahnte jedoch Tempo an. „Es muss nun schnell etwas passieren.“

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